Alternative Rennen - Teil 3

Das dritte Rennen unserer Serie ist wieder ein Kurs, der gegen den Uhrzeigersinn befahren wird. Im Gegensatz zu den bisherigen Strecken geht es diesmal jedoch weniger um die Bestzeit, sondern mehr um Taktik. Klar: Um die Bestzeit kann auch gefahren werden, jedoch nur kurz!

CD-Player

Die Rundenzeit von ziemlich genau einer Minute erfordert keine spezielle Musik, wenngleich ein flotter Beat dem Fahrfeeling immer gut tut. Für die Verschärfte Variante (die nur etwa 2 Runden dauert) kann auch harte Technomusik günstige Wirkung beweisen. Aber wie gesagt: Mit einem 5 Minuten Liedl sollte man auf dieser Strecke über die Runden kommen.

Die dritte Rennstrecke

Um das Mysterium vorab aufzuklären: Wir haben es diesmal nicht mit einer Autobahnstrecke, sondern mit einem Kreisverkehr zu tun! Genauer mit dem dreispurigen Verteilerkreis Favoriten im 10. Wiener Gemeindebezirk. Die Streckenskizze:


Bild 1: Verteilerkreis Favoriten

Verteilerkreis Favoriten.

  • Länge der Strecke: 700 Meter
  • Der Kreisverkehr geht gegen den Uhrzeigersinn, an 3 Stellen sich verengende Radien, an einer Stelle kreuzen Straßenbahnschienen störend.
  • Schnellste bisher gefahrene Runde: 47 Sekunden (geschätzt).
  • Rundenzeit in der Grünphase: 59 Sekunden.

 

Unter dem Verteilerkreis führt die Südosttangente durch. Die günstigste Zufahrt ist daher klarerweise wieder mal die Tangente selbst. Die Schwierigkeit der Strecke liegt in der Grünphase der 6 Ampelanlagen des Kreisverkehrs. Entlang der Favoritenstraße fährt eine Straßenbahn, deren Schienen besonders an der südlichen Ausfahrt Unruhe ins Fahrwerk bringen kann.

Die Grünphase.

Die 700 Meter des Verteilerkreis Favoriten sind von 6 Ampeln geregelt, die so geschickt geschalten sind, dass ein mit 50 km/h fahrendes Auto ununterbrochen im Kreis fahren kann, und dabei nicht einmal die Geschwindigkeit ändern muss!

Mehrspurige Kreisverkehre haben es so an sich, dass die Spuren schneckenförmig nach außen verlaufend gebaut sind. Immer wenn eine Spur den Kreisverkehr in Richtung einer Ausfahrt verlässt, macht innen eine neue Spur auf. Das kreiselnde Auto muss daher ständig den Fahrstreifen nach innen wechseln, ansonsten landet es in einer Ausfahrt des Kreisverkehrs. Der eventuelle Stau spielt sich aus diesem Grunde auch gern in den äußeren Spuren eines Kreisverkehrs ab.

Die schnellsten Runden

Wer es darauf anlegt, schnelle Rundenzeiten hinzuknallen, der möge das in den ersten Runden erledigen, vorzugsweise ab Ampel 2 nach Einfahrt in den Kreisverkehr. Aus obiger Streckenbeschreibung haben wir erkannt, dass höhere Geschwindigkeiten keinen Sinn machen, da wir in diesem Fall ohnehin früher oder später an eine rote Ampel gelangen würden.

Und das ist genau der Knackpunkt: Wir müssen uns so weit zurückfallen lassen, dass wir eine Ampel am letzten Grünblinker durchfahren, anschließend können wir mächtig anrauchen, um den Rückstand wieder aufzuholen, solange bis wir wieder an eine (noch) rote Ampel gelangen. Dieser Vorgang dauert erfahrungsgemäß knapp weniger als 2 Runden.

Gas bei der Einfahrt!

Günstigerweise sollte man daher versuchen, bei der Einfahrt in den Kreisverkehr in Pole Position zu stehen. Blitzstart! Die erste Ampel des Kreisverkehrs wird man unter heftiger Beschleunigung im tief grünblinkenden Bereich erwischen. Bei der zweiten Ampel, die wahrscheinlich ebenfalls noch grün blinkt, sollte man bereits die Marschgeschwindigkeit von rund 80 km/h erreichen, die in diesem Kreisverkehr übrigens bereits sehr spannend ist. Bei Ampel 2 drücken wir PLAY am CD-Spieler, um die Stopuhr (Zeitzähluhr des aktuellen Liedls, Zählung meist in Sekunden) zu starten. Nun vergessen wir nicht, uns ganz innen zu halten. An der Passage, wo die Straßenbahnschienen Richtung Süden unsere Kurve passieren, halten wir das Lenkradl konzentriert fest. Das Auto wird es um gut 30 cm versetzen, anschließend sollte die Fahrt jedoch unbeeindruckt weitergehen. Nach knapp 2 Runden werden wir den Rückstand auf die Ampelphase aufgeholt haben und in den Startstau einer soeben grün gewordenen Ampel kommen. Hier können wir den Versuch abbrechen, die schnellste Rundenzeit sollte längst gestoppt sein. Ab jetzt verläuft das Rennen bestenfalls noch taktisch.

Hinweis: Die Einfahrt in den Verteilerkreis von Kaisermühlen kommend ist schwieriger als die südliche Einfahrt, bei welcher man die erste Ampel relativ locker auf grün blinkend erwischt. KoflAIR himself muss sein Gaspedal schon sehr weit runterdrücken, um von der anderen Richtung aus die erste Ampel noch grün zu erwischen, meist ist's schon ziemlich gelb...

Das taktische Rennen

Bei dieser Variante stellen sich alle Teilnehmer zunächst nach einem ausgewürfelten Modus hintereinander auf der innersten Spur an eine rote Ampel. Der Start des Rennens erfolgt mit der Umschaltung der Ampel auf Grün bzw. Rot/Gelb. Das Rennen geht über eine vorher vereinbarte Anzahl an Runden. Vorschlagswert: 10 Runden. Bei weniger als 4 Teilnehmern können auch Rennen mit 5 Runden schon viel Spaß machen.

Vor dem Rennen haben alle Fahrer ein Gentleman Agreement unterschrieben oder per Handschlag besiegelt: 

  • Rote Ampeln werden beachtet, die Haltelinie keinesfalls befahren
  • Bei Rot/Gelb darf bereits gefahren werden
  • Fahrstreifenwechsel wird durch Blinken angezeigt
  • Wer vorn ist und blinkt, hat Vorrang beim Fahrstreifenwechsel
  • Das vorneliegende, blinkende Auto MUSS reingelassen werden, auch wenn dazu das nachgebende Auto bremsen muss
  • Wer blinkt bevor er vorn ist, kriegt ein Stirnpickerl aufs Hirn, mit der Aufschrift "Achtung, ich bin Doof"
  • Wer eine Kollision verursacht, kriegt das selbe Pickerle und rutscht ins Malus.

Das Rennen startet also mit dem Grünwerden der Ampel, und ab nun an gilt die Regel, dass mehr als Tempo 50 keinen Sinn macht. Was zählt, ist also ausschließlich die Taktik. 

Speedcontrol: Zurückfallen lassen, um bei Grünwerdung der Ampel nichts zu verschenken. Umgekehrt kommt es jedoch vor, dass der sich zurückfallen lassende von einem Gegner außen überholt wird. Dieser kann, wenn er tatsächlich vorn ist, den Blinker setzen, was ihn zum unbedingten Fahrstreifenwechsel vor den Führenden berechtigt (aufschließen des Inneren wäre nun verboten)!

Ausbeschleunigen: Wer sich beim Start an der roten Ampel zu viel Zeit lässt, wird ausbeschleunigt. Wer dann zu vehement mitzieht und übersieht, dass der Gegner schon deutlich früh wieder bremst, steht an der nächsten Ampel wieder, während sein Gegner von relativ weit hinten anrollt und ihn diesmal mit seinem Überschwung locker ausbeschleunigt! Wer jedoch nicht hart mitzieht läuft Gefahr, durch gesetzten Blinker des Vordermanns seine Pole zu verlieren.

Stau: Eine weitere Überholvariante ergibt sich aus in der linken Spur stauenden Autos, obwohl die zweite Spur eh frei wäre. Durch zu späte Erkenntnis dieser Situation des Führenden kann er seine Position nachhaltig verlieren, wenn er zu spät reagiert und sich schnell mal 1, 2, 3 Autos an ihm vorbeischieben. Doch Achtung: Sobald er den Blinker setzt, hat er Vorrang beim Spurwechsel vor den Verfolgern. Diese müssen ihn reinlassen! So will es die Regel.

Pulk: Den Pulk wie beim Kartfahren wird es hier nicht geben. Allein schon deshalb nicht, weil nicht immer mit der gleichen Geschwindigkeit gefahren wird. Es ist klar absehbar, dass bei einem Starterfeld von 6 Teilnehmern schon bei der zweiten Ampel 3 und 3 nebeneinander stehen werden. Wer nicht selbst ständig den Fahrstreifen wechselt, gibt den Gegnern die Chance, nach vor zu kommen und ihm einen Platz streitig zu machen.

Vorsicht vor Nicht-Teilnehmern: Vorsicht mit dem unbedingten Vorrang: Fahrzeuge, die nicht am Rennen teilnehmen, sondern in diesem Moment nur zufällig vorbeikommen, sind von dieser Regel ausgenommen! Für diese gilt natülich die StVO, derzufolge blinken nicht unbedingt zum Fahrstreifenwechsel berechtigt...

Sieger ist, wer nach Ablauf der vereinbarten Runden als erster die Zielampel überquert.

Verhalten bei Kollisionen mit Unbeteiligten

Sollte es zum unglücklichen Fall kommen, dass ein nicht am Rennen beteiligtes Fahrzeug in eine Kollision verwickelt wird, dann dürfen sich die Rennteilnehmer keinesfalls als Gruppe zu erkennen geben, ansonsten könnte es massive Schwierigkeiten geben (Privatrennen auf öffentlichen Verkehrswegen).

Wer schaffts schneller als in 47 Sekunden?
Wer gewinnt die meisten Rennen?

Fortsetzung dieser Serie folgt...

Bisherige Teile: Klein-Indianapolis, Prater-Vierklee, Knoten Kaisermühlen, Knoten Mattersburg, Nordring

(emk)

Achtung: Dieser Text ist ein Spaßtext und entspricht der schrägen Philosophie von E.M.KoflAIR's schräger Vollgas Seite. Rennen im Straßenverkehr sind in keiner Form erlaubt. KoflAIR himself ist ein sehr gesitteter Autofahrer und lebt seine Geschwindigkeitsräusche beim Kartfahren aus. Bitte die vorgeschlagenen Rennen daher nur mit einem Lächler zur Kenntnis nehmen und keinesfalls selbst in Angriff nehmen!