Die Atombomen Seite.

KoflAIR findet immer wieder neue Faszinationen. Wobei seine Faszinationen besonders für die ultimativ extremen Dinge entstehen. Krieg, Waffen und Bomben sind für ihn eigentlich nicht sehr interessant, das extremste Explosionsgerät hingegen, die Atombombe, wiederum sehr wohl.
Im Zuge der alljährlichen Gedenken der beiden Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki begann KoflAIR zu surfen und zu lesen und fand umfangreiche Infos im Web, alles auf englisch und zum Teil recht abstrakt.

Diese Seite soll das Thema Atombombe dem Laien verständlich erklären und den Wahnsinn dieser Waffe verbildlichen.

Achtung: Diese Seite könnte eventuell Alpträume verursachen.

Die Fakten dieser Story stammen von verschiedenen Quellen im Web:
Von einem Artikel auf der Homepage von Hiroshima

Das Prinzip der Bombe

Die Atombombe funktioniert durch Atomspaltung (=Kernspaltung).Dazu braucht man ein großes, wobbeliges Atom, das durch den Treffer eines Neutrons in zwei Teile zerfällt. Dabei wird Energie frei. Große Atome sind zum Beispiel Uran oder Plutonium, allerdings nur in bestimmten Ausprägungen, die gar nicht einfach herzustellen sind. Beim Zerfall eines solchen Atoms in zwei  Hälften werden praktischerweise gleich zwei Neutronen frei, die wiederum jeder für sich ein weiteres Atom spalten können. Das ist also die Kettenreaktion. Skizze:

Damit dieser Vorgang der Kernspaltung so richtig gut funktioniert, ist eine entsprechend große Masse an spaltbarem Material notwendig. Das nennt man kritische Masse. Als spaltbare Materialien kommen Uran-235 und Plutionium-239 in Frage. Die kritische Masse von Uran liegt bei über 50kg, die von Plutonium bei nur 7kg.

Eine Bombe besteht im Prinzip aus zwei unterkritischen Halbkugeln, die gegeneinandergedrückt werden, wodurch die Masse überkritisch wird, zusätzlich wird die kritische Masse nun von außen mit Neutronen beschossen, und die Kettenreaktion geht los.

Die Hiroshima-Bombe

Die Hiroshima Bombe bestand aus 60kg Uran, das zusammendrücken der beiden Halbkugeln geschah mit einer Sprengladung. Bild und Skizze:

Das Gerätl wog insgesamt satte 4,5 Tonnen (Stahlmantel inklusive, der den Klescher erst so richtig heftig macht). Das rote "Nuclear Device" ist der Neutronenspender, der die Kettenreaktion startet. Mit ganz normalem Schießpulver werden die beiden Halbkugeln gegeneinandergeschossen, die Masse wird überkritisch, durch den Neutronenbeschuss kann die Kettenreaktion losgehn. Die Bombe war 3m lang und 70cm im Durchmesser. Sie hieß "Little Boy".

Die Nagasaki-Bombe

Die Nagasaki Bombe benutzte Plutonium statt Uran, es wurde nur 8kg Plutonium benötigt, dennoch war die Sprengkraft dieser Bombe um die Hälfte höher als die der Hiroshima Bombe. Dieses Gerätl hieß "Fat Man", wog ebenso rund 4,5 Tonnen, war auch 3m lang, hatte jedoch 1,5m Durchmesser. Bild:

Diese Bombe benutzte einen Implosionszündungsmechanismus. Die unterkritischen Teilmassen werden zu einer Kugel zusammengedrückt. So funktionieren übrigens auch die modernen, für heutige Einsätze vorbereitete Atombomben.

Die Sprengkraft einer Atombombe

Die Sprengkraft einer Atombombe wird im Vergleich zur Sprngkraft von TNT angegeben. TNT (Trinitrotoluol) scheint ein recht guter Sprengstoff zu sein. Er explodiert mit einer Temperatur von rund 5000°C. Ein Kilo TNT fügt einem Haus durchaus schweren Schaden zu. Ein paar Kilo, und das Haus fallt zsamm. 150 Kilo, und das Haus ist weg. 1.000 Kilo, und es bleibt ein ordentlicher Krater. 1.000.000 (eine Million) Kilo (das sind 1000 Tonnen), und es klescht weißt eh wie. Auf Kilometer hinige Fensterscheiben, Riesenkrater, 5000 Grad. Ka-Wummm.

Die Hiroshima-Bombe hatte eine Sprengkraft von 15.000.000 Kilo TNT.

Man sagt kurz 15kt TNT. 15 Millionen Kilo. Unvorstellbar. Aber Achtung. Das ist ja noch nicht alles. Wenn eine Atombombe explodiert, dann werden drei Sachen frei: Hitze, Strahlung, und Explosionsdruck. Aufgrund der hohen Sprengkraft lässt man Atombomben übrigens in einer gewissen Höhe explodieren, da der Wirkungsbereich damit größer wird. Die Hiroshima Bombe explodierte in rund 580m Höhe, die in Nagasaki in rund 500m Höhe.

Hitze

Eine Atombombe entwickelt im Explosionszentrum mehrere Millionen Grad Hitze. Nach 1/10000 Sekunde hatte der Feuerball 28m Durchmesser, nach einer Sekunde 280 Meter. Das ist wie eine Sonne, im Unterschied zu dieser allerdings sehr nahe. Schau im Sommer direkt in die Sonne, dann bekommst Du ein dezentes Gefühl, wie hell die Hiroshima Bombe explodiert sein könnte. Im Hypozentrum, das ist der Punkt am Boden genau unter dem Explosionsherd, hatte es etwa 5.000 - 7.000°C. Bei 5.000° verdampft organisches Material. Organisches Material, das sind Pflanzen, das ist Holz, das ist aber auch Fleisch. Menschen verdampfen. Flusch, weg. Rückstandsfrei. Bis auf einen Schatten, der für Bruchteile von Sekunden die Hitze abhielt, daher konnte man die Schatten von Menschen erkennen. Bild.


Unvorstellbar: Hier saß ein Mensch. Übrig blieb ein Schatten.

Die Hitzeentwicklung der Bombe war so groß, dass sie im Umkreis von 2 Kilometern alles zerstörte, zum Teil durch schmelzen. Im Umkreis von 600 Metern schlugen keramische Dachziegel Blasen. Bis 1.000 Meter Entfernung schmolz Granit. Nur Stahlbetonstrukturen blieben stehen, waren aber durch die große Hitze in der Stabilität geschwächt und Abrissreif. Im Umkreis von 3,5 Kilometern fing Holz Feuer. 1945 waren in Japan viele Häuser aus Holz gebaut. Nachdem die Bombe im Zentrum von Hiroshima explodierte und die Stadt kaum mehr als 6km Durchmesser hatte, wurden 90% der Gebäude zerstört oder brannten nieder. 
Im Umkreis von 2 Kilometern brach ein Feuer aus, das von 10-15 Uhr mit voller Hitze brannte und das komplette Stadtgebiet lavaartig verschmolz. Was übrigblieb, war eine Ebene aus Asche.


Dieses Bild aus November 1945 wurde 1,2  km vom Hypozentrum entfernt aufgenommen.

Strahlung

Atombomben erzeugen Strahlung. Das ist auch etwas sehr abstraktes, weil wir ansonsten nichts mit Strahlung zu tun haben. Tschernobyl gab uns jedoch einen Vorgeschmack. Verstrahlte Schwammerln, Verstrahltes Gras, radioaktive Milch. In der Sekunde der Explosion verstrahlt die Bombe eine großes Gebiet. Jeder, der den Blitz direkt sieht, wird verstrahlt. Die Strahlung zerstört Zellen. Der Körper wird schwach und immer schwächer und stirbt dann. In den ersten Tagen starben daher aufgrund der Verstrahlung viele Menschen. Die es überlebten, kämpften ein Leben lang gegen die Nachwirkungen der Verstrahlung. Krebs, Missbildungen der Kinder, körperliche Beschwerden.

Die Druckwelle

Die Druckwelle startet mit Überschall. 3,7 Kilometer erreicht sie in weniger als 10 Sekunden. Also. Zuerst wird man umgepustet, dann erst hört man den grollend ohrenbetäubenden Explosionslärm der Bombe. Na ja nicht ganz. Die Druckwelle kommt, und dem Moment wo sie einen umwirft, hört man natürlich den Überschallknall gleich mit. 
Die Druckwelle startet mit 1.500 km/h und entwickelt einen Druck von 35 Tonnen pro Quadratmeter. 3 Kilometer vom Hypozentrum entfernt hatte die Druckwelle immer noch 110 km/h und 1,3 Tonnen Druck pro Quadratmeter. Einzelne Brücken stürzten durch den Druck von oben ein. Steinerne Geländer wurden selbst nach 2,3 Kilometern noch umgeworfen, Dachziegel in 8km Entfernung fielen runter, Glasscheiben barsten in einem Umkreis von bis zu 27 Kilometern! 
Im Umkreis von 800 Metern wurden alle Gebäude zerstört, die Strukturen von Stahlbetongebäuden blieben stehen. In einem Umkreis von 2 Kilometern blies die Druckwelle die Türen und Fenster von Betongebäuden samt Rahmen aus deren Verankerung. Feuer fügte den Strukturen schwersten Schaden zu. Bild.


Wenige hundert Meter vom Zentrum der Explosion entfernt.
Rechts hinten der Atomic Dome, der bei Ground Zero stand
(und als Denkmal nach wie vor steht)

Wie weit sind 3,5 Kilometer?

Dreieinhalb Kilometer. Das ist ein Spaziergang von etwa 45 Minuten. Also. 7 Kilometer weit fing Holz Feuer. Eineinhalb Stunden Spaziergang. Oder eine Fahrt von 8:30 Minuten mit 50 km/h. Überlegts Euch das einmal. Achteinhalb Minuten. Da kommst ziemlich weit mit einem 50er.

Zerstörungsskizze. Restlose Zerstörung bis 2 Kilometer. Großer Schaden bis 3,5 Kilometer.

Vergleiche für 3,5 Kilometer und damit dem Zerstörungsradius der Hiroshima Bombe:

Der erste Bezirk in Wien hat einen Durchmesser von etwa 1,6 Kilometer (800m Radius).
Vom Stephansplatz bis zur Donau (Reichsbrücke) sind es 3,5 Kilometer.
Vom Stephansplatz bis zur Gürtelbrücke (Fernheizwerk) sind es 3,5 Kilometer.
Vom Stephansplatz bis zur Südosttangente sind es 3,5 Kilometer.
Vom Stephansplatz bis zum Margarethengürtel (Kreuzung Gürtel/Wiental) sind es 3,5km.
Vom Stephansplatz bis zum Gürtel beim 16. Bezirk sind es nur 2,4 Kilometer.

Der Bahnhof St. Pölten ist von der Westautobahn 3,5 Kilometer entfernt.

Die Autobahnabfahrt Salzburg-Mitte ist vom Ortszentrum 3,5 Kilometer entfernt.

Vom Grazer Uhrturm bis zum Fußballstadion Liebenau sind es 3,5 Kilometer.
Vom Uhrturm bis Graz Nord Ende Augasse sind es auch 3,5 Kilometer.

Das Stadtgebiet von Linz misst etwa 7 Kilometer im Durchmesser.

Klagenfurt Zentrum bis Minimundus sind 3,5 Kilometer.
Klagenfurt Zentrum bis Nordumfahrung A2 sind 3,5 Kilometer.

Villach-Zentrum bis Dobratschstraße: 2,8 Kilometer.
Villach-Zentrum bis Kraftwerk Villach: 2,8 Kilometer.
Villach-Zentrum bis Autobahnabfahrt Villach-Süd: 2,8 Kilometer.

Innsbruck Nord bis Innsbruck Süd, jeweils Grüngrenze, sind 4,1 Kilometer.
Innsbruck Südtirolerplatz bis Innsbruck Flugplatz sind es 2,5 Kilometer.
Innsbruck Südtirolerplatz bis Innsbruck Grenoblerbrücke sind es etwa 2,5 Kilometer.

Dornbirn Zentrum bis Lustenau Zentrum: etwa 7 Kilometer.

Wiener Neustadt-Zentrum bis Arena Nova sind es etwa 2,5 Kilometer.

Aufgrund dieser Vergleiche dürfte klar werden, welche Fläche die Hiroshima Bombe zerstört hat. Im Durchmesser von 2 Kilometern totale Zerstörung. Vier Kilometer weit alles hin.

Hiroshima Bilanz

In und um Hiroshima waren am 6. August 1945 rund 350.000 Menschen anwesend. Durch die Bombe kamen 70.000 Menschen unmittelbar ums Leben. Bis Ende Dezember 1945 starben rund 140.000 Menschen an den Folgen der Bombe.

Nagasaki

Die Nagasaki Bombe hatte eine Sprengkraft von 22 Kilotonnen TNT, also um 7 kt mehr als die Hiroshima Bombe. Ziegelstein schmolz bis 1.000 Meter Entfernung. Granit schmolz bis 1.600 Meter. Da Nagasaki vom Gelände her weniger "ideal" für eine Atombombe liegt, gab es hier weniger Opfer. Die Stadt Nagasaki wurde praktisch vollständig zerstört.

Fortsetzung: Die Wasserstoffbombe.