Alle Jahre wieder findet das Großereignis schlechthin statt - das Donauinselfest. KoflAIR ist ein Fan dieses Festes. Geboten werden unzählige Livekonzerte, unzählige Getränke- und Freßstandln, Mörderaction bis 23:00 und Action bis 2:00.
Das Donauinselfest ist eine Sammlung von Live-Konzerten, gepaart mit Kirchtagsatmosphäre, bestehend aus Verköstigungsstandln, Unterhaltungszonen, Verkaufsstandln, Attraktionen.
Das Donauinselfest ist also kein Ersatz für ein Bierlokal. Wer einfach zusammensitzen und plaudern will oder über den vergangenen Tag plus ein paar weiteren Dingen des Lebens plaudern will, dabei gemütlich sitzen und was essen will, der begibt sich günstigerweise eher in ein Tex-Mex, Bieronymus, Fischerbräu, Plutzerbräu usw.
Das Donauinselfest ist daher auch kein alternativer Prater. Dort kann man sehr gut Tingeltangel fahren, um anschließend im Schweizerhaus eine Stelze plus ein Bier zu konsumieren oder zwei. Richtig, am Donauinselfest gibts genug Tingeltangels und Ringelspiele usw, die Wartezeit ist aber mörderlang und die Fahrten zum Ausgleich mörderkurz.
Man liegt als Besucher am Donauinselfest goldrichtig, wenn man sich zunächst mal das Programm ausdruckt (www.donauinselfest.at), für sich beschließt, welche Konzerte man gern sehen will, und den Rest im wesentlichen geschehen läßt, immer jedoch mit der Orientierung des Open-Air Konzertbesuchs im Hinterkopf. Als sinnvoller Treffpunkttermin darf am Freitag 17 Uhr gelten, Samstag und Sonntag gar schon 14-16 Uhr. Wer sich am Samstag erst um 20 oder 21 Uhr treffen will, um "auch mal aufs Donauinselfest zu gehen", der verschwendet vermutlich seine Zeit und sollt sich eher drei Tage später in der Innenstadt zu einem Umtrunk einfinden.
Größere Gruppen sind am Donauinselfest schwer zu koordinieren. Man verliert
sich ein wenig zu leicht in den Menschenmassen, und beim Transfer zwischen den Lokationen
verliert man viel Zeit durch zusammenwarten. Abgesehen davon wird im Zuge der
Zusammenfindung auch sehr sehr viel handytelefoniert, was jedoch sehr viel Zeit in
Anspruch nimmt, weil man nur sehr selten eine freie Leitung bekommt, und dann in 97% der
Fälle beim Angerufenen besetzt ist. Mit SMS gehts prinzipiell besser,
Empfangsverzögerungen sind jedoch unvorhersehbar und können mehrere Stunden betragen.
Das Handy könnt man also theoretisch gleich zu Hause lassen.
Falls sich eine Gruppe verliert, ist eine Suche in Wirklichkeit sinnlos, 20 Minuten
nicht-mehr finden sollten das Abbruch-Killerkriterium sein. Wehe man bespricht das jedoch
nicht vorher, dann kann es zu wahren Dramen und gar zu großen Krisen kommen. Durch den
unter Umständen bereits heftigen Alkoholkonsum kann die dezente Lösung des Konflikts
nicht garantiert werden, im Gegenteil.
Die großen Erlebnisse des Donauinselfestes sind zweifelsohne die Star-Konzerte.
Wenn ein aktueller Star ein Liedl live vorbringt, das man wenige Stunden zuvor erst im
Radio gehört hat, dann ist das schon ganz nett, und wenn man vom Bass der riesigen
Lautsprechersysteme dazu noch durchmassiert wird, dann ist das wirklich ein emotional
bewegendes Gefühl.
Nicht bewegend ist es jedoch, wenn man das Konzert von einer zu großen Entfernung
aus anhört, weil man zu bequem ist, näher hinzugehen, oder weil man es in der
Menschenmenge schlicht und einfach nicht aushält und Angst hat, daß' einen zwertrampeln.
Heuer (1999) gab es zwei Konzerte, die mich bewegt haben. Das eine war STS, das andere waren die Beach Boys. STS ist in Österreich sehr bekannt und viele Zuseher können den Text, zumindest von "Großvater" und natürlich von "Fürstenfeld". Beide Lieder wurden selbst 200m von der Bühne entfernt noch lautstark mitgegröhlt, Fürstenfeld war eine der Zugaben. Statt Zu-ga-be haben die Zuseher Fürs-ten-feld gerufen, und die Stimmung war wirklich wahnsinnig, als die Zuseher den Beginn des Liedls sehr laut mitgesungen haben, sodaß der Schiffkowitz immer wieder "unglaublich" dazwischen gesagt hat.
Das andere bewegende Konzert waren die Beach Boys, eine Band, von der ich
geglaubt hab, daß' nur mehr auf CD gibt, aber weit gefehlt. Das unglaubliche
Hit-Repertoire der Beach Boys war es, das am Sonntag ab 22 Uhr die meist über
30-jährigen Zuseher in volle Fahrt gebracht hat. Das erste Lied war
"California", zwischendrin gabs immer wieder Smash-Hits, dann eine ruhigere
Phase, und dann hat der Beach Boy Nummer 1, dessen Name ich nicht kenne und dessen Alter
ich auf sehr deutlich über 50 schätze gesagt, daß ab diesem Zeitpunkt ausnahmslos nur
mehr Nummer 1 Hits gespielt würden.
Die vermutlich um die 80.000 Zuseher hatten im hinteren Bereich der Wiese genug
Platz, um sich sogar ein wenig zu bewegen, und von dieser Möglichkeit haben sie auch
kräftig Gebrauch gemacht. Beim Beatles-Verarschungshit "Back in the USSR" und
bei "Ba-ba-ba-Barbara Ann" haben so viele mittelalterliche Menschen getanzt (30
bis 55), wie ichs bis dato noch nicht am Donauinselfest erlebt habe, und das gute 250m von
der Bühne entfernt! Dank der Viele-Tausend-Watt-Anlage und zweier Riesendisplays war man
selbst dort noch mitten im Geschehen, die Stimmung war euphorisch.
An diesem Abend kam ich nur auf 2 Bier, ich habs einfach nicht geschafft, mich von der Musik zu lösen und weitere Getränke zu konsumieren. So gesehen kann das Donauinselfest sehr günstig ausfallen...
Es wird der Hochsommer kommen und in den Herbst übergehen. Die Tage werden kalt und kurz werden, und dann kommt Weihnachten, die Jahrtausendwende, der Frühling, und dann wird es Juni werden. Und am 24. Juni 2000 ist's wieder soweit: DONAUINSELFEEEST!!!
emk