Karthallenunfall in Belgien

Der Sonntagfrühschock: Im Radio wird von einem Unfall in einer belgischen Karthalle berichtet. Na sofort auf, und ein wenig recherchiert. Auf der ORF Seite wird man fündig. Der ORF schreibt dazu folgendes:

Belgien: 50 Verletzte in Go-cart-Halle

In einer Halle für Go-cart-Rennen im
belgischen Orp-le-Grand sind am späten
Abend 50 Menschen verletzt worden.

Sie erlitten nach Angaben der Polizei
Kohlenmonoxid-Vergiftungen, weil die
Entlüftung der Halle nicht richtig
funktionierte.

Zahlreiche Krankenwagen brachten 30
Personen mit Vergiftungserscheinungen
in Krankenhäuser der zwischen Brüssel
und Lüttich gelegenen Region, die
übrigen wurden von Ärzten vor Ort mit
Sauerstoff behandelt. Keiner der Ver-
letzten soll in Lebensgefahr schweben.

(c) ORF 2000


Was könnte das nun für die heimischen Karthallen bedeuten? Eine genaue Überprüfung der Auflagen? Oder haben die österreichischen Karthallen mit der Durchführung von Langstreckenrennen bereits bewiesen, dass die Lüftungssysteme ausreichende Frischluftversorgung gewährleisten?

In der OMV Karthalle fand kürzlich ein 24h Rennen statt, an dem 20 Karts teilnahmen. Ein Großteil der Zuschauer und Betreuer hielt sich ständig direkt an der Strecke auf. KoflAIR himself war auch anwesend und hat keine Meldungen vernommen, welchen zufolge anwesenden Personen schwindlig geworden wäre. In der Nacht war jedoch einmal eine Schnellüftung notwendig gewesen.

Die Daytona Halle hat bereits mehrere 24h Rennen durchgeführt. Hier war von den ständig an der Strecke sitzenden Personen sehr wohl zu hören, dass zeitweise abgasbedingtes Schwindelgefühl aufkam. Die Lüftung schien damals nicht optimal gewesen zu sein, jedoch wohl auch deshalb, um die Halle nicht zu stark abzukühlen. Bei den Sommerrennen gab es das Problem nicht.

Bei einem 6h Rennen zur Long Distance Bowl kam es in der Monza Halle im unteren Geschoss auch zu relativ dicker Luft. Nachdem hier das Lokal einen sehr guten Blick auf die Bahn bietet, flüchteten die Zuschauer kurzerhand ins Restaurant. Weiters war hier günstig, dass die restlichen Zuschauer am Balkon Platz fanden. Dieser ist begünstigt, weil CO schwerer ist als Luft und sich deshalb auf den Boden absenkt.

Ebenfalls bei einem 6h Rennen kam es in einer Salzburger Karthalle jedoch zu einem bedenklichen Zwischenfall. Zahlreiche Fahrerinnen und Fahrer, sowie auch Betreuer klagten über die extrem schlechte Luft in der verwinkelten und schlecht gelüfteten Karthalle. 

Die Karthalle Villach, in der 1999 das Winterchallenge Finale stattfand, verfügt ebenso über ein leistungsfähiges Lüftungssystem, das noch dazu heizen kann. Die Kosten dafür dürften wohl recht hoch sein.

Extrem positiv in dieser Hinsicht fiel die italienische Karthalle in Villorbia bei Treviso auf. Im Zuge des IKC Finales befanden sich rund 200 Personen in der Karthalle. Von 12 bis 24 Uhr wurden ständig die Karts bewegt, inklusive 2h Langstreckenrennen. Nie gab es ein Luftproblem, weil an beiden Stirnseiten der Halle Ventilatoren mit einem Durchmesser von mehr als einem Meter montiert waren, die über die gesamte Fläche der Halle einen veritablen Luftzug produzieren konnten. Luftqualität 1a.

Das Problem bei guter Lüftung ist jedoch, dass besonders im Winter, und der dauert in Österreich nun mal von November bis April, die Temperatur der eingeblasenen Luft recht kühl bis eiskalt ist. Es macht niemandem Spaß, bei unter 10°C Kart zu fahren. Daher wäre eine zusätzliche Aufheizung der Luft notwendig, der Luft, die links angesaugt, aber rechts umgehend wieder rausgeblasen wird. Wer kann sich das leisten?

Es ist nicht einfach. Hallenvolumen und eine begrenzte Anzahl von Karts können helfen. Oder das Rennen bei warmen Außentemperaturen durchzuführen.

Analyse von E.M.KoflAIR