Didgeridoo spielen - learning to fly

First Contact

KoflAIR war 1995 in Australien. Im Hafen von Sydney saß ein junger Aborigine (australischer Ureinwohner) und der spielte auf seinem Didgeridoo. Nett, hab ich gedacht, und wie das wohl geht. Hat mich aber nicht weiter fasziniert, weil er so konzeptlos reingeblasen hat, ohne Rhytmus.

Cervia - der Startpunkt

1999 war ich am 9. Mai in Cervia (nahe Rimini) und da war ebenfalls ein Didgeridoospieler. Ein Italiener, und der spielte rhytmisch, abwechslungsreich und gut. Man konnte auch selbst probieren, und einige Leute habens tatsächlich probiert. Ich nicht. Aber ein Didgeridoo hab ich ihm trotzdem abgekauft. Aus Bambusrohr, nett verziert, aber nicht echt. Echt sind nur solche aus australischem Eukalypusholz, wobei der Ast durch Termiten hohl gefressen worden sein muß.

Im Hotel gab es einen großen Partyraum, wo allabendlich gepartyt wurde. Später nahmen ein paar Trommler die vorhandenen Trommeln unter Beschlag (im wahrsten Sinne des Wortes), und ein Belgier spielte gemeinsam mit einem Italiener das Didgeridoo!

Das hat mir gefallen.

 

Start!

Ich hab dann zu Hause zu üben begonnen, und es war schwer. Heute weiß ich, daß das Bambus Didgeridoo schwer zu spielen geht. 10 Tage später war ich schon frustriert. Da hab ich mich aber eines Freundes erinnert, der auf einem Plastikröhrdl gespielt hat. Auf ins Bauhaus, ein Rohr und eine Bienenwachskerze gekauft, Mit Bienenwachs das Mundstück geformt, fertig. Gespielt, ging viel leichter, super!

Die ersten Übungen waren, überhaupt mal einen Ton rauszukriegen.

Dann habe ich geübt, effizient zu spielen, sodaß ich einen sehr langen durchgehenden Ton mit einem einzigen ausatmer spielen konnte. 25 Sekunden sind ein sehr guter Wert, einmal hab ich über 40 Sekunden geschafft.

Dann hab ich begonnen, während des spielens den Mund zu verformen. Dadurch sind unterschiedliche Klangcharakteristiken entstanden.

Dann hab ich begonnen, die Heftigkeit zu variieren, und damit war bereits ein Rhytmus hörbar.

Und dann hab ich versucht, während des Blasens mit der Mundhöhle Luft zu pumpen. Das klang dann schon gut Didgeridooisch.

Like learning to fly...

Und dann habe ich versucht, während des Mundpumpens durch die Nase einzuatmen. Das geht nur ganz kurz, weil man mit dem Mund auch nur ganz kurz pumpen kann, etwa eine halbe Sekunde?

EIn Problem war auch, daß ich den Mundpump nicht gut dosieren konnte. Ich hab viel zu stark gepumpt und war nach spätestens 4/10 Sekunden fertig. Ich hab mich bemüht, langsamer zu pumpen und die Mundhöhle sehr bewußt auszuquetschen.

auf der Rollbahn...

Das ist mir dann ein paarmal gelungen. Das Problem war, daß beim wiedereinsetzen der Lungenpumpe der Ton abgerissen ist. Also hab ich mich bemüht, in diesen Vorgang mehr Kontrolle reinzubringen. Das hab ich dann auch geschafft - durch viel Übung.

Und dann hab ich bemerkt, daß zwischen Mundpumpen und Lungenpumpen der Luftstrom kurz abreißt, weil ich mit der Lungenluft zuerst meine Backen fülle, und erst dann wieder rausblase.

Da hab ich mich dann bemüht, beim Übergang die Backen nicht aufzumachen, und da ist es dann ofteinmal wirklich very smooth vom Mundpump in den Lungenpump übergegangen.

.. und abgehoben!!

Und das hab ich dann fest geübt. Hauptsächlich mit meinem kürzesten und am leichtesten spielbaren Didgeridoo: Ein Meter lang, Plastikröhrdl. Und wo? Im Auto!! Richtig, immer wenn ich losgefahren bin, Didgeridoo her, an jeder Ampel, in jedem Stau, auf der Autobahn.. wenn ich nicht grad telefoniert habe, dann hab ich Didgeridoo gespielt.

Es war ein Hochgefühl. Und ist es heute noch. Didgeridoo spielen, zirkular atmend, ohne ein einziges Mal abzusetzen, ein durchgehender Ton. Mittlerweile hört man die Stellen, an denen ich einatme, zum Teil überhaupt nicht mehr - es passiert einfach. Es ist wirklich ein geiles Gefühl!

Next step

Der nächste Schritt ist nun die Findung eines Rhytmus, der lange spielbar ist. Ich hab nun gelesen, daß dieser Rhytmus dem Atem angepaßt werden muß, und nicht der Atem dem Rhytmus. Das hat mir eh schon einiges Kopfzerbrechen bereitet. Wenn ich mich einem Liedl anpassen wollte oder einer Trommel, dann bin ich voll gestolpert. Allein spielen hingegen funktioniert.

Soundeffekte

Es ist sehr erstaunlich, welche Töne das Didg erzeugen kann, sofern der Spieler richtig hineinbläst, den Mund dabei richtig formt und das richtige dazugrunzt oder schreit oder sagt. Man kann ins Didg reinsingen!

Ich bin aktuell dabei folgende Sachen zu über: Das Känguruh, das junge Känguruh, den Kookaburra, die Bestie.

Wie das klingt, gibts vielleicht irgendwann hier zu hören.

Zurück zur Seite 1