| KoflAIR ist im Restaurant vielleicht ein wenig eigenartig. Wenn er das
Essen serviert bekommt, wird er ganz eins mit der vor ihm stehenden Speise. Von dem Moment
an, wo er sie bestellt hat, erwartet er sie und fokussiert sich innerlich voll auf sein
Essen, das genau für ihn zubereitet wird. Daher wird KoflAIR auch grantig, wenn die
ersten Pommes Frites bereits vor dem vollständigen Aufsetzen des Tellers von allzu
ungestümen TischkollegInnen gemundraubt werden. KoflAIR beantwortet solche
Diebstahlversuche gelegentlich mit Gabelattacken oder verfeinert des Diebes Getränk mit
einem Löffel Bratsauce oder ähnlichem, abgesehen davon ist seine Laune ab diesem Moment
vollkommen dahin. KoflAIR erholt sich am selben Abend nur sehr schwer von derartigen
Diebstouren seiner TischkollegInnen.
Anders hingegen, wenn KoflAIR vor dem Diebstahl gefragt wird. Bereitwillig gibt KoflAIR
Pommes Frites oder auch ein Stückerl seines Schnitzel, garniert mit Pommes und sogar ein
wenig Salat her. Bedingung ist jedoch, daß die Frage vollständig gestellt wurde, die
Antwort vollständig abgewartet wurde.
Völlig anders hingegen die Frauen. Oft noch bevor die Speise serviert wird, wird
vereinbart, ob man gegenseitig kosten will. Aber nicht durch die Frage "Darf ich von
Dir kosten?" sondern die Frage lautet "Willst Du von mir kosten?". Als
wäre es eine Vorabversicherung, daß ihr Essen eh gut wäre, so gut, daß es von den
anderen geradezu begehrt wird.
Dann kommt der Moment der Servierung. KoflAIR fokussiert sich auf sein Essen. Wasser
läuft im Mund zusammen. KoflAIR nimmt sein Besteck, schneidet das Schnitzel an, garniert
sich das panierte Stückl mit 2 sorgfältig gefalteten Pommes, setzt an und - hat
plötzlich eine fremde Gabel im Gsicht, "willst kosten??". KoflAIR sabbert
beinahe auf den Tisch, bevor er gerade noch rechtzeitig die Contenance wahren kann und der
Nachbarin freundlich zu verstehen gibt, daß er ein Schnitzel bestellt hat, sich auf
dieses gefreut hat, ihm dieses sehr gut schmecken wird, und er sich nicht vorstellen kann,
vor, während, oder nach seinem Schnitzel die grünen Nudel mit Chamignons kosten zu
wollen, obgleich sie köstlich aussehen und er sich auch den genüßlichen Verzehr jener
Speise bestens vorstellen hätte können.
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Der Essensaustauschinstinkt der Frauen scheint KoflAIR besonders ausgeprägt zu sein.
Hier ist der Diebs- und Fütterungsdrang zeitweilig dermaßen ausgeprägt, daß es
mitunter zu Kreuzfütterungen kommen kann (siehe Bild). Auch Zwangsfütterungen stehen
immer wieder an der Tagesordnung, und ich vermute sogar, daß sich durch die gegenseitigen
Fütterungstaten und Mundräube bei den Frauen ein gewisser Lustgewinn einstellt.
Letztens machte ich die Beobachtung, wie die drei Speisen der drei Hexen mehr oder
weniger gegenseitig verfüttert und gemundraubt wurden. Die Hexen hatten dabei, ihren
Blicken und der Gesamtstimmung nach zu urteilen, einen mehr als heftigen Lustgewinn
erfahren können.
Dennoch hat mich eine Aussage, sie geschah bereits gegen Ende der Fütterung, ein wenig
verwirrt. Bärli meinte, mit vollem Mund, ganz zurückgelehnt, mit einem leicht
vorwurfsvollen Ton untermalen, "Mausi, *mampfmampf*, nimmst bitte *mampf* deine Gabel
aus meinem Gesicht??"
KoflAIR begann anschließend, eine Diskussion zum Thema anzuregen. Die Frauen brachten
ein, daß sie andere an ihren Köstlichkeiten teilhaben lassen wollten. Die Frauen
meinten, daß Männer Egos wären, und daher lieber alles selbst aufessen wollen! Männer
treibt also der Besitzanspruch, Frauen hingegen die Hingabe. So muß es wohl sein.
Und ich werde mir das nächstemal denken "schön, wie Du Dich mir hingibst",
wenn sie mir die wohlgarnierte Gabel zwei Millimeter vor meinen vollen, kauenden Mund
hält, blumig unterlegt mit den Worten "Magst kosten?"
emk |