Uranmunition und deren Gefahren
oder
Der Amerikaner und das Atom -
eine Lügengeschichte von vorn bis hinten
oder
U236 - das hatte man nicht bedacht.
Wir schreiben heute den 1.2.2001. Gestern abend zeigte der ARD die
Dokumentation "Tödlicher Staub". Die Dokumentation handelte von
der aktuell sehr stark durch die Medien geisternden Uranmunition.
Urangeschosse wurden im Golfkrieg und in Jugoslawien eingesetzt, um Panzer
zu knacken. Das "Golfkriegssyndrom", unter dem zumeist die
Soldaten der Aufräumtrupps leiden, ist die Folge davon.
Nachdem Thekla, einer unserer flottesten Kartfahrer Ostösterreichs,
grad seinen UNO Dienst in Bosnien bestreitet, hat man sich letztens beim
Bowlen auch über dieses Thema unterhalten. KoflAIR hat sich ziemlich
erschrocken, wie er gemerkt hat, welche Meinung man in Soldatenkreisen
bezüglich der Gefährlichkeit verwendeter Uranmunition hat. Nachdem
KoflAIR in letzter Zeit auch viel über die Atomtests der Großmächte
plus Nachwirkungen auf die Gesundheit ganzer Völker gelesen hatte, war
eine gewisse Grundbildung in Richtung Strahlungsauswirkungen auf
Erwachsene aber insbesondere Kinder vorhanden. KoflAIR hat daher
beschlossen, hier ein Exzerpt seiner Gedanken, unterstützt durch die
gestrige Dokumentation, zu veröffentlichen.
Warum Uran?
Uran ist ein sehr schweres Metall. Uran hat eine Dichte, die deutlich
höher ist als die von Blei. Zudem ist Uran sehr hart. Damit sind beste
Voraussetzungen gegeben, Stahlpanzer mit Uranmunition zu knacken. Das
Metall mit höherer Dichte hat nämlich prinzipiell höhere
Durchdringungschancen als ein vielleicht härteres, aber nicht so dichtes
Metall.
Beispiel: Eine Sperrholzplatte, eine Holzkugel, und eine Metallkugel
mit gleichem Durchmesser wie die Holzkugel. Schleudert man die Holzkugel
aufs Brettl, dann bekommt das Brettl eine Delln. Die Kugel trägt
vermutlich auch Spuren davon. Schleudert man nun die Metallkugel mit
gleicher Geschwindigkeit wie die Holzkugel gegen das Brettl, durchschlägt
sie das Brettl. Nicht weil sie härter ist als die Holzkugel, sondern weil
sie ein höheres spezifisches Gewicht hat als Holz und somit leichter ein-
und durchdringen kann.
Ist Uran nicht radioaktiv?
Ja. Uran ist radioaktiv. Bei seinem natürlichen Vorkommen ist Uran
zwar nur schwach radioaktiv, aber doch schon sehr, dass z.B. die
australischen Aborigines Uranvorkommen fühlen konnten und diese Plätze
als Todesplätze mieden, noch lange bevor der Weiße Mann kam und die Erde
öffnete und dort die größte Uranmine der Welt schuf.
U235, U238, ...
Uran kommt in der Natur zu 99,3% als Isotop U238 vor, zu 0,7% als U235
und zu einem Spurenanteil als U234. Durch den großen Atomkern ist Uran
recht instabil, am stabilsten jedoch im U238. Für Atomkraftwerke und
Bomben wird jedoch U235 benötigt. Wenn der Mensch nun hergeht, und Uran mit
Neutronen beschießt,
dann verändert sich U238 und wird zu U235 (angereichert) sowie als
Gegenpol zu U240 (abgereichert).
Für die Panzergeschosse wird U238 oder U240 verwendet, das wenig
radioaktive abgereicherte Uran, englisch Depleted Uranium, genannt.
Abgereichertes Uran ist wenig gefährlich für den Menschen.
Was passiert im Körper mit Uran?
Laut der gestrigen Dokumentation hat der menschliche Körper
Erkennungsmechanismen für Uran, die dieses sofort ausscheiden, wenn es in
den Verdauungstrakt kommt. Das gilt für sämtliche in der Natur
vorkommenden Isotope. Also U238, U234, auch U235.
Und U236? Und was ist mit der Lunge?
Zwei bedauerliche Sachen. U236 kommt in der Natur nicht vor.
Unglücklicherweise entsteht U236 jedoch, wenn das Projektil den Panzer
durchdringt, fein zerstäubt und verbrennt. Ein französischer
Atomforscher sagt dazu: " Um von abgereichertem Uran Krebs zu
bekommen, müsste man großen Mengen davon lange ausgesetzt werden. Aber
U236 ändert die Gleichung, denn dieses stammt von verbranntem
Nuklearmaterial, das recycled wurde".
Und zweitens, was in die Lunge eingeatmet wurde, kommt dort leider nicht
mehr raus. Da können auch die Ausscheidungsmechanismen des Körpers
nichts mehr machen.
Bei Erwachsenen und Kindern gleicht?
Ups - leider Nein. Bei noch wachsenden Menschen wird die Radioaktive
Substanz nicht so einfach wieder ausgeschieden, hier wird einiges in der
Schilddrüse gespeichert, in die Knochen eingelagert. Diese Kinder
erreichen nur ganz selten das 20. Lebensjahr.
Funktionsweise der Urangranaten
Die Granate fliegt auf den Panzer zu. Schlägt auf, dringt ein, dringt
durch. Mehrere Zentimeter dicken Stahl. Herkömmliche Panzergranaten
wären auf 2/3 des Weges durchs Stahl steckengeblieben. Durch die
Aufprallenergie und das Durchdringen, zerstäubt das Uran im Panzer. Der
Staub fängt sofort Feuer, das ist ein Phänomen. Uranstaub brennt wie
irr. Die Explosion des Restes der Granate erledigt mal die Panzerinsassen,
die Wucht der Explosion sprengt den Panzerturm ab. Das erzeugt irrsinniges
Vertrauen bei den angreifenden Soldaten. Die Munition funktioniert.
Inspektion des zerstörten Panzers
Der durch die Explosion in alle Richtungen geöffnete und vollständig
ausgebrannte Panzer ist innen mit einer weißen Staubschicht überzogen.
Am Boden liegt der weiße Staub zentimeterhoch, im Inneren schwebt der
Staub. Das ist Uranstaub. Bestehend aus U 234, U235, U238 und - U236!
Einatmen - Krebs bestellt. Oder Leukämie, oder andere Beschwerden, die
man früher nicht mal ansatzweise hatte, und die Amis eigens benannt haben
mit "Golfkriegssyndrom". "Die brennenden Ölquellen sind
schuld!" behauptet die amerikanische Armee noch heute.
Großen Bogen um die Panzer machen
Der radioaktive weiße Staub ist auch heute noch, 10 Jahre nach dem
Golfkrieg, in
den Panzern in Kuwait und dem Südirak zuhauf vorhanden. Und der Wind
verbreitet den Staub auch recht nett und gründlich. Was nicht nur die unmittelbare
Umgebung der Panzer verseucht hat, sondern relativ weite Gebiete, in
Hauptwindrichtung von den zerstörten Panzern aus gesehen.
Die Folgen?
Die Folgen sind neben Krebs, Tumoren, Leukämie, Nervenerkrankungen,
anderen Dauerbeschwerden, bedauerlicherweise auch Missgeburten (die
übrigens in Irak, in Kuwait, in Amerika und in Jugoslawien sehr ähnlich
aussehen), und ein signifikanter Anstieg an untergewichtig geborenen
Säuglingen und leider auch Totgeburten.
Aus der Dokumentation
Man sah eine Rotkreuzfahrerin in Jugoslawien, die an zerstörten
Panzern vorbeifuhr. Sie durfte hier nicht stehenbleiben, hatte die
Anweisung alle Fenster zu schließen und die Lüftung auszuschalten, weil
man noch nicht wusste, womit die Panzer zerstört wurden und ob das Uran
gefährlich war. Sie dürfen sich auch in einem beträchtlichen Umkreis
nicht ins Gras legen oder angebautes Gemüse konsumieren. Die Bevölkerung
hört die Ratschläge und ist sehr verunsichert, erzählt die Fahrerin.
Dann ein Interview mit einem Army General. Er behauptete, dass man so
viel Uranstaub einatmen müsste, dass man vorher am Staub erstickt, bevor
man durch die Radioaktivität Schaden nimmt.
Ein Geigerzähler wird in die Nähe eines Panzers gebracht. Wird ins
Innere gehalten. Im Sonnenlicht sieht man den fliegenden Staub schimmern.
Der Geigerzähler beginnt deutlich zu knacksen. 29 Treffer pro Sekunde.
Das entspricht einer Strahlung von 12 Millirem pro Stunde. Der erlaubte
Wert für einen Menschen sind 300 Millirem pro Jahr. Nach 25 Stunden
Aufenthalt im Inneren des Panzers wäre dieser Mensch also für ein Jahr
von jeglicher Radioaktivität fernzuhalten. In der Umgebung des Panzers
ist die Strahlung weit geringer, die 300 Millirem sind aber auch weit vor
Ablauf eines Jahres erreicht.
Bilder von den Golfkriegsaufräumarbeiten. Ein Offizier hat einen
Schutzanzug an. Die restliche Mannschaft nichts. Er verkündet:
"Wollt ihr euch nicht auch euren Schutzanzug anziehen, die Gegend
hier ist total kontaminiert." Soso, er wusste es wohl...
Dann Interviews von gesundheitsgeschädigten amerikanischen Frauen und
Männern, die in Kuwait im Einsatz waren. Fotos betrachtend, "der der
und der leben nicht mehr, der hat Krebs und der Leukämie", sie
selbst hat auch Hautstellen, die sich andauernd schälen und
Lungenbeschwerden seit sie dort war...
Cold War today
In der Dokumentation werden immer wieder Interviews mit
Wissenschaftlern und Soldaten gezeigt, die "Aufdeckungsarbeit"
leisten wollten und es auch taten. Und man hörte über die Drohungen und
Einbrüche in deren Computer, und dass sie sich kaum mehr aus dem Haus
trauen, und das CIA wäre hinter ihnen her, das Verteidigungsministerium
hatte ultimative Drohungen ausgesprochen, dass sie die Forschungsarbeiten sofort
einstellen müssten, widrigenfalls sie ihren Job verlieren und auch sicher
keinen mehr bekommen, und die Familie würde auch Repressalien
erleiden.
Und der deutsche Außenminister, der der amerikanischen Antiaufklärung
voll auf den Leim geht, hantiert vor der Kamera mit einer Granate und
zeigt damit, wie ungefährlich die Granate denn nicht wäre. Schön.
Fazit
KoflAIR ist froh, genau im rechten Moment diese Dokumentation gesehen
zu haben. So braucht er nicht als unfundierter Panikmacher gelten. Es war
alles in "Tödlicher Staub" zu sehen. Die klare und
eindringliche Empfehlung muss daher lauten: Einen Riesenbogen um die Urangeschosszerstörten
Panzer machen. Im Zweifelsfall Schutzkleidung tragen. Die Wirkung der
Radioaktivität zeigt sich nicht unmittelbar, sondern unter Umständen
erst nach 10 Jahren oder noch später. Radioaktivität verursacht
Langzeitschäden.
Das war's fürs erste. Dieser Text ist bewusst oberflächlich
geschrieben. Ausflüge in die Tiefe der Physik brächten hier viele,
inklusive mir selber, zum Aussteigen. Für die schwerinteressierten hier
noch ein paar Links, die meistens auf englische Seiten führen.
Über die Wirkung von DU Munition (da wird
einem schlecht...) findest Du hier was:
http://mai.flora.org/forum/10957 (Englisch) Besonders
interessant: Interview mit einem Wissenschaftler und Instruktor für
DU-Munition
http://www.stud.uni-goettingen.de/~s136138/pages/read/depleted.html
Über "Depleted Uranium" erfährt man hier
interessantes, sogar auf Deutsch:
http://mitglied.tripod.de/moln/du/du_tagung0001.html (Deutsch) Wissenswertes über U236:
http://www.doh.wa.gov/phl/envchem/u236.html (Englisch) Einen speziellen
Dank an Michi Gamauf, ein ehemaliger Physik-Junkie, der mir viel
Zusatzinformation liefern konnte. Demnächst folgt eine genauere Story über Uranmunition und Auswirkungen der
Radioaktivität, auch im Zusammenhang mit Tschernobyl. |